True Lies – Mad in Germany

True Lies ist eine Cameron-Filmkomödie mit Schwarzenegger (als Harry Tasker) in der Hauptrolle. Das titelgebende Motiv verkörpert der schmierige Autohändler Simon, ein Schwindler, wie er im Buche steht (Bill Paxton). Paxton als Autohändler verführt mit Hilfe seiner Betrügereien Harrys  Frau, die brave Amerikanerin Helen (Jamie Lee Curtis), ein paar arabische Terroristen kommen irgendwie hinzu und stunt action und Pyrotechnik nehmen ihren Lauf …

Deutschlands oberster Autohändler Winterkorn ist wegen Betrügereien an Amerikanern vom VW-Vorstandsvorsitz zurückgetreten. “Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist, …” teilte Winterkorn mit. Er trete zurück “obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.” Das glaube ich ihm. Doch dazu später.

Aufsichtsratchef Berhold Huber (ehem Vorsitzender der IG Metall) teilte mit, Winterkorn habe von den üblen Machenschaften nichts gewusst. Das glaube ich nicht, das halte ich für eine absurde Behauptung.

Die US-Behörde United States Environmental Protection Agency (EPA, Umweltbehörde, auf Spiegel Online in einem Anfall von Freudscher Verwirrung Eta wie die baskische Terroristenorganisation genannt: Brief der Eta an VW vom 18. September (pdf) (screenshot vom 24.09. 13:01, links unten unter Mehr im Internet), die EPA also, die manchmal schärfer als die ETA schießt, verweist in dem Briefwechsel mit dem Betreff Notice of Violation vom 18.09.2015 auf Verhandlungen mit VW seit ca Mai 2014.

In dem Dokument heißt es aus Seite 4 im 2. Absatz

… and the EPA were alerted to emissions problems with these vehicles in May 2014 […] Over the course of the year following the publication of the WVU [Western Virginia University] study, VW continued to assert to […] the EPA that the increased emissions from these vehicles could be attributed to various technical issues and unexpected in-use conditions. VW issued a voluntary recall in December 2014 to address the issue. …

Es fanden also Gespräche zwischen der EPA und VW statt, in denen VW fortlaufend beteuerte (“continue to assert“), die erhöhten Emissionen lägen an unterschiedlichen technischen Ursachen und unerwarteten Gebrauchsmodi. Im Dezember 2014 veranlasste VW einen freiwilligen Rückruf, angeblich um die Probleme anzugehen. Glasklare Betrugsmanöver. Hinter dem Rücken des Vorstands spielt ein Manager hide-and-seek mit einer US-Bundesbehörde?

Der Machtkampf zwischen Winterkorn und  Piëch im April 2015 war vor allem den Problemen in den USA geschuldet. Die Welt:

Doch der in einem Nebensatz geäußerte Befund von Piëch zum US-Geschäft war für Winterkorn offenbar weit gefährlicher. Man “verstehe den US-Markt einfach immer noch nicht”, hatte der Aufsichtsratschef schon vor zwei, drei Jahren festgestellt.

Man muss davon ausgehen, dass Winterkorn, der Vorstand und der gesamte Aufsichtsrat spätestens seit Sommer 2014 von dem Problem wussten. Ein DAX-Konzernmanagement, für das der US-Markt von strategischer Bedeutung ist, das wegen seiner Schwäche dort unter schwerem Beschuss steht und das dann bei  Ermittlungen einer US-Bundesbehörde nicht sofort in den Red-Alert Modus schaltet, das ist nicht vorstellbar.

Zum Red-Alert eines DAX-Konzerns gehört selbstverständlich die Aktivierung aller möglichen pressure-groups wie die deutsche Botschaft in Washington, Governeure der VW-Standorte, US-Gewerkschafter (traditionell democrats, Parteifreunde Obamas), der Zugang zu Präsidentenberatern bis hin zum Einsatz von im Detail eingeweihten hohen und höchsten Mitgliedern der Bundesregierung – um die Ermittlungen niederzuschlagen.

Ein Vorstandsvorsitzender, zu dessen Stellenbeschreibung bei VW immer und aus gutem Grund ein Ingenieursstudium gehört, der nicht sofort weiß, wie die Differenzen zwischen Testbetrieb und Alltagsbetrieb zustande kommen, ist ebenfalls nicht darstellbar. Denn die wahre Kunst, den Grenzwerten zu genügen, liegt ganz besonders für die deutsche Automobilindustrie in der Feinjustierung der Testumstände und des Testprotokolls. Wer auf Diesel setzt, der muss auf Testoptimierung setzen, sonst kann er nur verlieren. Das weiß jeder Ingenieur und das weiß auch Winterkorn. Nicht umsonst kämpft die deutsche Kfz-Industrie mit Zähnen und Klauen darum, dass die Tests weiterhin von den Herstellern durchgeführt werden.

“Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist, …” teilte Winterkorn mit. Er trete zurück “obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.”

Das glaube ich ihm aufs Wort. Er ist ein deutscher Kfz-Manager. Grenzwerte sind dem deutschen Manager ein virtuelles, ein politisches Problem. Die sind für PR gut. Aber doch nicht für das  tatsächliche Fahrverhalten. Das ist wie mit den Griechen und den Steuern (Na gut, mit dem Unterschied: Die Regierung hilft den Unternehmern dort nicht aktiv bei der Steuerhinterziehung. Das müssen die schon selbst machen). Und jetzt lassen sie ihn,Winterkorn, fallen, statt dass alle gemeinsam ihr Geschäftsmodell offensiv  verteidigen.

Da ist er bestürzt. Wie soll das weiter funktionieren, wenn auf die Kumpane und die Regierung kein Verlaß mehr ist? Denn hat er doch nur gemacht, was alle machen und was alle machen müssen, wenn der Diesel-Laden weiter laufen soll. Alle, von der Regierung bis zu den unteren Kfz-Managern. Er ist kreativ mit den Grenzwerten umgegangen. Da kann man doch nicht Einen für hinhängen.

 In fast allen großen deutschen Städten leidet die Bevölkerung unter schlechter Atemluft. Die im Vergleich mit den US ohnehin hohen NOx Grenzwerte werden trotz fälliger kommunaler Strafzahlungen an die EU munter weiter überschritten. Der Bürger hustet, wird krank und darf dafür Strafe bezahlen – obwohl, oh Wunder, die Hauptverursacher, die Kfz-Motoren, doch ständig “sauberer” werden und eine Euro-Norm nach der anderen erfüllen.

Danke, Obama. Erlöse uns von dem Diesel-Fluch.

 

 

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