Das “Ding”

Das “Ding” hat sich in unseren Städten breitgemacht. Das “Ding” wächst immer weiter und kriecht in uns hinein. Man kann das “Ding”  nicht sehen, man kann es nur riechen, aber erst, wenn es zu spät ist und schon in uns hineinkriecht: Es stinkt nach Chlor. Was es langfristig mit uns anstellt weiß keiner. Kurzfristig es macht krank: Chronischer Husten, Bronchitis, Asthma, Entzündungen, Verschlechterung der Lungenfunktion, Lungenkrebs und Anderes wird ihm zugeschrieben.

Das Hamburger Abendblatt vom Wochende meldet im Hamburgteil auf S. 10 unten:

Hamburgs Luft wird immer schlechter. Die seit Jahren zu hohe Belastung mit giftigem Stickoxid steigt weiter [Farbgebung im Print-Original]…Besonders hoch ist die gemessene Stickoxidkonzentration demnach auch weiterhin an der Max-Brauer-Allee und an der Habichtstraße. Dort ist sie in den ersten drei Quartalen auch weiter angestiegen – ebenso wie an der Kieler Straße….

… Besonders stark wird die Luft durch Dieselmotoren belastet. Deswegen hatte die EU kürzlich vorgeschlagen, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in besonders belasteten Regionen durchzuführen. …

Online: Die Luftverschmutzung in Hamburg nimmt weiter zu (Wenn Link gesperrt: Über Google-Suchergebnisse aufrufen)

Vom VW-Skandal ist in der gesamten dicken Wochenendausgabe des HA nichts zu lesen.

Anders die Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung

Auf der Titelseite:

Angst vor dem Modellwechsel

[…] rüsten andere auf, mächtige Konzerne aus Kalifornien. […] Apple […] hat das Ziel ausgegeben, 2019 mit einem eigenen Auto, dem iCar, am Start zu sein. Code-Name des Geheim-Projekts: Titan. [Zum Vergleich: Die Kosten des Skandals für VW werden auf bis zu 50 Mrd geschätzt, bei Reserven von ca 26 Mrd €. Apple verfügt über freie Mittel von ca 180 Mrd €.]

[…] Google […] ließ in diesen Tagen den Prototypen eines selbstfahrenden Elektroautos […] herumfahren.

Tesla [zeigte] sein elektrisches SUV [Reichweite: 400 km]. “Das Modell X setzt im Automobilbau eine neue Messlatte”, sagte der Tesla-Vorsitzende Elon Musk. Es sei “ein Auto aus der Zukunft”.

… Erst allmählich dämmert es in den Vorstandsetagen der deutschen Schlüsselindustrie: Es geht nicht nur um VW-Vorstände […], nicht nur um den Dieselmotor […]. Es geht diesmal ums große Ganze – um die Welt der traditionellen Autobauer.

Im Wirtschaftsteil der SZ wird auf einer Doppelseite der Tod der “Mythos Auto” beschworen.

… Womöglich, kann man spekulieren, erleben wir gerade den Anfang vom Ende der deutschen Autoherrlichkeit.

“Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.” [Goethe, der den wegweisenden Rückzug des angreifenden preußischen Heeres vor der franz. Revolutionsarmee 1792 bei der “Kanonade von Valmy” beobachtete]

[…] zu hoch gegriffen? Mal sehen.

Im Feuilleton geht’s weiter. Obama wird zum “Klimakrieger” stilisiert. Untertitel:

Dank des VW-Skandals hängt Amerika die deutschen Umweltstreber ab. Warum das für die Welt eine feine Sache ist.

[…] Sicherlich ist es besser, wenn Barack Obama die Führung im Klimaschutz übernimmt. Merkel […] ist Staatschefin eines Landes, das von der Auto-, also der Verlängerung der Ölindustrie stärker dominiert wird als jede andere Nation diesseits des persischen Golfs. …

Spätestens seit Ende 2014 war auch in Regierungskreisen klar, dass Deutschlands durch die Griechenland-Krise ohnehin belastetes Image einen weiteren herben, wenn nicht vernichtenden blow durch die VW- bzw. Diesel-Krise kassieren würde. Gut, dass Merkel diesem für die Exportquote bedrohlichen weiteren Verlust an internationalen Ansehen durch ihre Handhabung der Flüchtlingskrise entgegensteuern konnte.

Schade nur, dass unsere von der Kfz-Lobby gegängelte Fahrradpolitik so gar nicht kampagnenfähig ist. In den USA reichte schon der Ansehensverlust der Kfz-Industrie, hervorgerufen durch die staatliche Unterstützung während der Finanzkrise 2008, um durch sofortiges, massives und  geschicktes Campaigning entscheidende Verbesserungen für den Radverkehr herauszuschlagen.

Immerhin der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) nutzt die Gunst der Stunde und zieht gegen das “Ding” zu Felde.

Abgaswerte: Tricksereien mit Wissen der Bundesregierung

Luftschadstoffe: Konzentration an Stickoxiden steigt in Hamburg

 

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