Berliner ADFC setzt neuen Trend in der Radverkehrspolitik. Return of the Pickelhaube.

Zur Enttäuschung einiger und, wie ich hoffe,  zum Wohlgefallen vieler Leser: Es geht hier nicht um eine Helmdiskussion.

Vielmehr bin ich über das ADFC-Umsetzungskonzept zur Berliner Radverkehrsstrategie von 06/2015  gestolpert.

Der Schwerpunkt dieses Konzepts liegt in der geforderten Behebung des Mangels an Personal, das die Radverkehrsstrategie umsetzen soll.

Aufgezählt wird folgender Personalbedarf:

  • mindestens 10 Vollzeitstellen in der Senatsverwaltung
  • 12 Ingenieursstellen in den Bezirken (eine Stelle pro Bezirk)
  • 60 Polizisten für Sondereinheiten “Fahrradstaffel” (10 Polizisten für jede der 6 Pol.Dir)
  • 120 Ordnungskräfte (10 pro Bezirk)

An Infrastrukturmassnahmen denkt der ADFC Berlin auch (“Radverkehrsförderung ist günstig, aber nicht kostenlos zu haben”).

Für den ADFC gilt vielmehr der Grundsatz: Auf allen Straßen muss der Radverkehr legal, sicher und komfortabel möglich sein. …

  •  Mischverkehr ohne Schutz- oder Radstreifen ist der Regelfall in Tempo-30-Zonen.
  •  Radfahr- oder Schutzstreifen sind als Regellösung in Hauptverkehrsstraßen vorzusehen.
Es kann aber auch Situationen geben, in denen ein baulicher Radweg die beste Lösung ist.

Das ist nicht nur eine günstige, das ist eine äußerst billige Lösung. Im Gegensatz zu diesem Beispiel aus Zwolle (Foto aus As Easy As Riding A Bike, Stress Test)

These people in the Dutch city of Zwolle can’t be harassed or intimidated by the drivers in the background

Es gibt verschiedene Wege, ein Produkt – hier Radfahren – zu vermarkten. Man kann, wie in den Niederlanden und den Fahrradstädten Europas, das Produkt attraktiv machen. Ist das Produkt jedoch billig und unansehnlich, gar mit erheblichen Gebrauchsmängeln behaftet, wie die vom ADFC Berlin geforderte “Radinfrastruktur”, bei der es vielen  Radlern einfach nur gruselt, dann muss man andere Vermarktungsstrategien finden.

Der ADFC Berlin entscheidet sich folgerichtig für eine massive Aufstockung der Drückerkolonnen. Anders ist das ADFC/Kfz-Lobby-Produkt Mischverkehr/Streifen offenbar nicht an den Mann zu bringen. Alle Radler, von zehnjährigen Kindern bis hin zu Senioren, ob sie wollen oder nicht, ob sie überhaupt in der Lage sind am Fahrbahnverkehr teilzunehmen oder nicht, sollen zwangsbeglückt werden. Und zwar mithilfe polizeilicher “Sondereinheiten“.

Ich sehe die Sondereinheiten schon vor den Schulen stehen und die radelnden Schüler auf die Fahrbahn zwingen. Sicherlich ein probates Mittel, um den Mamataxi-Verkehr zurückzudrängen.

Die geforderte Aufstockung der “Sondereinheiten” und der Ordnungskräfte (“Ordnung muss sein” heißt es in dem Papier) wird mit ca 4-6 Mill € (22-30000 € pro Stelle und Jahr) jährlich zu Buche schlagen. Zum Vergleich: Berlin plant mit 4 Mio. € Radverkehrsinfrastruktur- und ca. 2 Mio. € Radwegesanierungsmitteln.

Eine sehr deutsche Lösung, dieser neue Berliner Trend. Wir wollen unseren Kaiser Wilhelm wieder haben.

Der war liberaler.

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