Sind wir Zeuge vom Ende der Fossile Brennstoff-Industrie – und wird es die übrige Wirtschaft mit in den Abgrund reißen?

Death of oil

Foto: Herkunft leider unbekannt, falls jemand die Herkunft kennt: Bitte melden.

Ich bin über Twitter auf diesen Artikel von Nafeez Ahmed gestoßen und habe ihn, mit Erlaubnis natürlich,  übersetzt. Er handelt von der Öl- und Gasindustrie und von ihrer Zukunft bzw. ihrem  Niedergang und ist, wie ich finde,  sehr aufschlussreich und aus sehr amerikanischer Sicht geschrieben. Wenn ich mir Dieselgate, E-Auto-Prämie und den Radentscheid Berlin ansehe, dann werde ich das Gefühl nicht los, dass  unsere Kfz-Industrie  ihre besten Zeiten ähnlich wie die Fossile- Brennstoff-Industrie hinter sich hat. Das wäre nicht verwunderlich: Öl- unf Gas einerseits und Kfz andererseits sind siamesische Zwillinge.

Die Firma Deloitte übrigens, die im Artikel mehr als einmal zitiert wird, ist auch in Deutschland aktiv. Im Auftrag des US-Justizministeriums haben Ermittler von Deloitte in der letzten Aprilwoche die Daimler Standorte in Deutschland durchsucht, wegen Betrugs- bzw Manipulationverdacht. Warum die deutsche Staatsanwaltschaft diesen – ihren – Job nicht gemacht hat? Meine Erklärung: Hätten die etwas gefunden, dann hätten sie sozusagen gegen ihren Dienstherrn (Daimler) vorgehen müssen, denn nicht die deutschen, sondern die US-amerikanischen Behörden hätten wegen Amtshilfe quasi die Dienstaufsicht gehabt. Da spielt man lieber das Drei-Affen-Spiel.

Der Artikel hat auch, das gebe ich gern zu, meine romantische Ader angesprochen: Ich glaube an die Fähigkeit des Menschen zur Vernunft.

 

Von Nafeez Ahmed [1], veröffentlicht in Englisch auf Alternet [2] April 22, 2016.

 

Es sieht nicht gut aus für die globale Fossile Brennstoff-Industrie. Obwohl die Welt in hohem Maße von ihr abhängig ist – sie stellt aktuell ca. 80 Prozent unseres Primärenergie-Bedarfs – , verfällt diese Industrie rapide.

Dies ist nicht nur ein vorübergehendes Phänomen, sondern ein Symptom eines tieferen, langfristigen Prozesses, der eng verwandt ist mit dem  ausufernden und exzessiven Verbrauch der planetaren Ressourcen und Rohstoffen des globalen Wirtschaftssystems.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die wachsende Krise der Profitabilität, mit der die Fossile Brennstoff Industrie konfrontiert ist, Teil einer unvermeidlichen Phase des Übergangs zu einer Post-Kohlenstoff-Ära ist.

Der nicht enden wollende denialism (Leugnung des Klimawandels) hat mächtige Interessensgruppen dazu verführt, sich blind an ihren Glauben an fossile Brennstoffe zu klammern, mit zunehmend verheerenden und unabsehbaren Folgen für die Umwelt.

Bankrott Epidemie

Im Februar prognostizierte das Finanzdienstleistungsunternehmen Deloitte [3], dass wahrscheinlich mehr als 35 Prozent der unabhängigen Ölgesellschaften weltweit in diesem Jahr Bankrott erklären müssten, möglicherweise gefolgt von weiteren 30 Prozent im nächsten Jahr – das wären 65 Prozent der Ölfirmen der ganzen Welt. Seit Anfang letzten Jahres haben bereits 50 nordamerikanische Öl- und Gasproduzenten Konkurs angemeldet.

Die Ursache dieser Krise ist der dramatische Verfall der Ölpreise um zwei Drittel seit 2014. Die Preise sind so niedrig, dass es für die Ölfirmen schwierig ist, genügend Einnahmen zu generieren, um einerseits die hohen Förderkosten zu decken und andererseits ihre Kredite zurückzuzahlen.

Am meisten gefährdet sind die Öl- und Gasunternehmen mit der höchsten Schuldenlast. Und diese Last ist erdrückend, nach dem Economist [4] beträgt sie 2,5 Bill $. Die tatsächliche Summe ist wahrscheinlich höher.

In einer Rede an der London School of Economics im Februar sagte Jaime Caruana [5] von der Bank für Internationalen zahlungsausgleich, dass sich die ausstehenden Kredite und Anleihen für die Öl- und Gasindustrie zwischen 2006 und 2014 fast verdreifacht hätten, auf insgesamt 3 Bill $.

Diese massive Schuldenlast, so erklärte er, hat die Branche in eine Zwickmühle gebracht: Um die Schulden weiterhin zu bedienen, müsse sie mehr Öl zum Verkauf produzieren, aber genau das führt zu niedrigeren Marktpreisen. Verminderte Öleinnahmen bedeuten weniger Kapazität zur Rückzahlung der Schulden, so dass sich die Ausfallwahrscheinlichkeit erhöht.

Notleidende Kredite

Diese 3 Bill $ Schulden sind in Gefahr, weil  bei ihnen auf  eine 3:1 Wertsteigerung gerechnet worden war, stattdessen [6] – wegen des Ölpreisverfalls –  repräsentieren sie heute weniger als die Hälfte ihres ursprünglichen Wertes.

Schlimmer noch, ausweislich einer von Goldman Sachs sehr verhalten veröffentlichten Studie [7] vom Dezember letzten Jahres, sind weltweit Investitionen in zukünftige Ölprojekte in Höhe von 1 Bill $ unprofitabel,; d.h. abzuschreiben [effectively stranded].

Bei der Untersuchung von 400 der weltweit größten neuen Öl- und Gasfelder (ohne die US-Schieferförderung) fand die Goldman Studie,  dass Projekte im Wert von 9,3 Mrd $ bei Preisen von unter 70 $ pro Fass Brent-Öl unrentabel sind. (Die Preise liegen deutlich darunter).

Der Kollaps dieser Projekte wegen Unrentabilität würde zu einem Verlust der Öl- und Gasproduktion von kolossalen 8 Prozent der aktuellen globalen Nachfrage führen. Tritt dies ein, plötzlich oder wie auch immer, dann könnte es die Weltwirtschaft zu Grunde richten.

Die Goldmann-Analyse wurde ausschließlich auf Basis der internen Abläufe der Industrie erstellt. Ein weiteres Problem der Branche ist, dass die inzwischen international anerkannten Risiken des Klimawandels bedeuten, dass ein großer Teil der verbliebenen fossilen Ressourcen der Welt nicht verbrannt werden darf, um gefährliche  globale Erwärmung zu verhindern.

Alles zusammen, die Angst, dass ein großer Teil der Vermögenswerte, mit denen  die Öl-, Gas-, und Kohleindustrie ihren eigenen Wert schätzt, aus Ressourcen besteht, die letztlich nie genutzt werden können, führt Investoren dazu, die Klugheit ihrer Investitionen in Frage zu stellen.

Die Carbon-Tracker-Initiative, die Risiken kohlenstoffbasierter Investments analysiert, weist darauf hin, dass den Fossile Energie-Unternehmen für die nächsten zehn Jahre  der Verlust von 2,2 Bill. $ an Investments  in die neuen Projekte droht, die sich angesichts der internationalen Klimaschutzpolitik als „unwirtschaftlich“ herausstellen könnten.

Immer mehr Anteilseigner der Fossile Brennstoff Industrie setzen die Energieunternehmen unter Druck, Investitionen für die Exploration neuer Vorkommen auszusetzen, aus Furcht, dass die Projekte wegen der Klimarisiken wertlos werden könnten.

„Saubere Technologie und Klimapolitik verringern bereits die Nachfrage nach fossilen Energieträgern.“, sagt James Leaton, Leiter der Forschung bei Carbon Tracker. „Eine Fehldeutung wird den Shareholder-Value zerstören. Unternehmen müssen jetzt CO2-Stresstests in ihre Geschäftsmodelle implementieren.“

In einem Ausblick vom letzten November identifizierte  Carbon Tracker diejenigen Energieriesen mit den grössten Positionen – und deshalb die größten Risiken tragend  – an notleidenden Krediten: Royal Dutch Shell, Pemex, Exxon Mobil, Peabody Energy, Coal India und Glencore.

Bei der Veröffentlichung  verhöhnte die Industrie diese mutige Vorhersage. Sechs Monate nach Veröffentlichung des Berichts  ging Peabody in den Konkurs. Wer ist der nächste?

Die Carbon Tracker Analyse unterschätzt möglicherweise das Ausmaß der möglichen Verluste. Ein gerade in der Zeitschrift Applied Energy veröffentlichtes Papier eines Teams des Institute for New Economic Thinking an der Universität Oxford [8] zeigt, dass das „Verlorene Vermögenswerte“ Konzept nicht nur für die nicht mehr verbrennbaren Reserven an fossilen Brennstoffen gilt, sondern auch für die riesige weltweite kohlenstoffintensive Strominfrastruktur, die ebenso abgeschrieben werden müsste wie die Fossile Energie-Träger, die es verbrennt und verteilt.

Die kommende Schuldenspirale

Einige Analysten glauben, dass das im Zentrum der Ölindustrie verborgene Billionen-$-Schwarze Loch eine weitere globale Finanzkrise auslösen könnte, , auf der Skala ähnlich dem Dot-Com Crash.

Jason Schenker, Präsident und Chefökonom bei Prestige Economics, sagt [9]: „ Die Ölpreise werden einfach nicht schnell genug steigen, um die Öl- und Energieunternehmen vor Ausfällen zu bewahren. Dann gibt es ein reales Ansteckungsrisiko für Finanzunternehmen und von dort auf den Rest der Wirtschaft.“

Schenker wird von Bloomberg News seit 2010 als einer der genauesten Finanzprognostiker in der Welt gelistet. Die US-Wirtschaft wird laut Schenker Ende 2016 oder Anfang 2017 in eine Rezession fallen.

Mark Harrington, Berater in der Ölindustrie, geht noch weiter. Er glaubt, dass die aus der Lawinenwirkung  der Forderungsausfälle resultierende Wirtschaftskrise den 2007-2008 Finanzcrash aussehen lässt wie ein Kinderspiel. „Die Öl- und Gasgesellschaften haben sich hoch verschuldet, als die Preise über die 70 $ pro Barrel in die Höhe schossen.“, schrieb [6] er auf CNBC im Januar.

„In den letzten 24 Monaten jedoch mussten sie zusehen, wie ihre Werte und Cashflows mit dem steilen Fall der Ölpreise grausam aufgefressen wurden – und das machte es für einige schwer, ihre Schulden zurückzuzahlen. Dies könnte zu einer massiven Kreditklemme wie im Jahr 2008 führen. Für unsere gerade wieder auf die Beine gekommene Wirtschaft könnte der Zeitpunkt kaum schlechter sein.“

Die Rating-Agentur Standard & Poor berichtete diese Woche [April 2016], dass 46 Unternehmen in diesem Jahr mit ihren Schulden in Verzug geraten sind – das höchste Niveau seit den Tiefen der Finanzkrise 2009. Die Gesamtsumme der Ausfälle beträgt bisher 50 Mrd. $.

Die Hälfte der diesjährigen Ausfälle stammt nach Angaben von S & P aus der Öl- und Gasindustrie, gefolgt von der Metall- Bergbau- und Stahlindustrie. Darunter auch der Kohleriese Peabody.

Entgegen öffentlicher Versicherungen bleiben  die offenen Positionen der Banken hoch, die aus    ungedeckten Krediten aus diesen Energierisiken bestehen. Offiziell sind nur 2,5 Prozent der Bankaktiva diesen Energieirisiken ausgesetzt.

Aber wahrscheinlich ist, dass es schlechter aussieht. Vertrauliche Quellen aus der Wall Street behaupten, dass die Federal Reserve [10] in Dallas die größeren Banken hinter verschlossenen Türen angewiesen hat, potentielle, mit der Energieindustrie zusammenhängende Verluste zu verschleiern. Die Federal Reserve bestreitet die Vorwürfe, weigert sich aber auf Anfragen nach dem Freedom of Information Act zu reagieren, unter dem offenkundig falschen Vorwand, sie habe keine Aufzeichnungen über ihre Treffen.

Nach Bronka Rzepkowski von der Beratungsfirma Oxford Economics sind mehr als ein Drittel des gesamten Hochzinsanleihen Indexes anfällig für niedrige Ölpreise, was die Gefahr einer Flutwelle erhöht: „Die Bedingungen, die normalerweise den Weg für die Häufung von Ausfällen bereiten  –  wie das Anwachsen schlechter Schulden, die Verschärfung der Firmenkreditstandards und der Votalitätsspitzen – sind derzeit in den USA erfüllt.

Das Ende des billigen Öls

Hinter der Profitabilitätskrise des Ös, die die gesamte Weltwirtschaft bedroht, steckt eine geophysikalische Krise der Verfügbarkeit von billigem Öl. Billig bezieht sich hier nicht nur auf den Marktpreis von Öl, sondern auf die Gesamtkosten der Produktion. Genauer gesagt, es bezieht sich auf den Wert von Energie.

Es gibt ein genaues wissenschaftliches Maß dafür, das in den konventionellen Wirtschafts- und Finanzkreisen so gut wie unbekannt ist. Es ist als Energy Return On Investment (EROI) bekannt und misst im Wesentlichen die extrahierte Energiemenge im Vergleich zu dem Input an Energie, der benötigt wird, um die Extraktion durchzuführen. Das Konzept des EROI wurde erstmals von Professor Charles A. Hall von der Abteilung für Umwelt- und Waldbiologie an der State University of New York  vorgeschlagen und entwickelt. Er fand heraus, dass für jede Energiequelle ein ungefährer EROI-Wert durch das Dividieren der produzierten Energiemenge durch die in den Produktionsprozess eingegebene Energiemenge berechnet werden konnte.

Deshalb: Je höher der EROI-Wert, desto höher die Energie, die eine bestimmte Quelle oder Technologie in der Lage ist zu produzieren. Je geringer der EROI-Wert, desto weniger Energie produziert diese Quelle oder Technologie.

Eine neue Peer-Review Studie (Kreuzstudie, die  von verschiedenen, voneinander unabhängigen Wissenschaftlern bewertet wird) [11] vom Institut für Physik an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko hat eine vergleichende Bewertung der EROI aller wichtigen Energiequellen unternommen, den Unterbau der derzeitigen industriellen Zivilisation, nämlich Öl, Gas, Kohle und Uran.

In der Veröffentlichung in der Zeitschrift Perspectives on Global Development and Technology stellen die Wissenschaftler fest, dass die EROI für fossile Brennstoffe in einem relativ kurzen Zeitraum unerbittlich zurückgegangen sind: „Zwischen 1960 und 1980 ist der weltweite  Durchschnittswert des EROI für Kohlenwasserstoffe von 35 auf 15 gefallen.“

Mit anderen Worten, in nur zwei Jahrzehnten ist der Gesamtwert der aus Förderung von  fossilen Brennstoffen produzierten Energie um mehr als die Hälfte gefallen. Und er ist weiterhin rückläufig.

Das liegt daran, dass, je mehr wir die Ressourcen an fossilen Brennstoffen nutzen, desto mehr verbrauchen wir die, die am einfachsten und billigsten zu fördern sind. Das zwingt die Industrie, zunehmend auf Ressourcen zu setzen und auf den Markt zu bringen, die schwieriger und teurer aus dem Boden zu bekommen sind.

Nach den Mexikanischen Wissenschaftlern hat konventionelles Öl einen EROI-Wert von 18. Ihre optimistische Schätzung besagt: „Bei den derzeitigen Verbrauchsraten könnten die Weltvorräte noch 35 oder 45 Jahre ausreichen.“ Für Gas, mit dem EROI-Wert von 10, reichen die Weltvorräte 45 oder 55 Jahre.“ Für nukleare Brennstoffe ist der EROI 6,5 und, nach den Autoren der Studie: „Der Höhepunkt der Weltproduktion von Uran wird etwa 2045 erreicht.“

Das Problem ist nicht, dass kein Öl mehr da ist. Das Problem ist, dass das Öl zu Ende geht, das am billigsten und am einfachsten zu fördern ist. Die Zuwendung zu den unkonventionellen Öl- und Gasvorräten bringt die Industrie zunehmend in ein Defizit – denn diese haben einen geringen Energiewert aus der EROI-Perspektive.

Das Mexiko-Team hat die EROI-Werte dieser unkonventionellen Quellen, Teersand, Schieferöl und Schiefergas, untersucht: „Der durchschnittliche EROI-Wert für Teersand ist 4. Nur zehn Prozents der Menge ist mit der derzeitigen Technologie wirtschaftlich profitabel.“

Für Schiefergas und  -öl ist die Situation noch düsterer: „Die EROI- Werte variieren zwischen 1,5 und 4, mit einem Durchschnittswert von 2,8. Schieferöl ist mit Teersand vergleichbar; wobei beide Ölquellen von sehr schlechter Qualität sind. Die Schiefergas-Revolution hat nicht begonnen, weil diese Förderung eine sehr gute Idee war, sondern weil die wirtschaftlich attraktivsten Möglichkeiten bereits ausgebeutet und erschöpft sind.“

Tatsächlich bedeutet die wachsende Abhängigkeit von unkonventionellem Öl, dass, um die industrielle Zivilisation am Laufen zu halten, insgesamt die Kosten und Inputs in die Energieproduktion unaufhaltsam ansteigen.

Es ist nicht so, dass dies den Regierungen unbekannt ist. Es ist so, dass entschieden wurde, die Interessensgruppen zu schützen, die sich die Regierungspolitik erfolgreich durch Lobbying, Netzwerken und Spenden gekapert haben.

Vor drei Jahren hat das Department for International Development (DFID) der britischen Regierung eine detaillierten Bericht in Auftrag gegeben und veröffentlicht [12], „EROI of Global Energy Resources: Stand, Trends und soziale Folgen.“ Der Bericht blieb in den Medien völlig unbemerkt.

Die Ergebnisse der Studie sind aufschlussreich: „ Wir stellen fest, dass die EROI für alle wichtigen fossilen Brennstoffe (außer Kohle) während des letzten Jahrhunderts substantiell zurückgegangen sind. Die meisten erneuerbaren und nicht-konventionellen Energiealternativen haben wesentlich geringere EROI-Werte als herkömmliche fossile Brennstoffe.“

Der Rückgang der EROI bedeutet, dann ein wachsender Anteil der Energie, die wir fördern, in ebendiese Energieförderung umgeleitet werden muss und nicht für soziale Investitionen zur Verfügung steht.

Dies bedeutet, dass die weltweite Konjunkturschwäche direkt mit der sinkenden Ressourcenqualität der fossilen Brennstoffe in Zusammenhang steht. Der DFID-Bericht warnt: „Die sinkenden EROI-Werte der traditionellen fossilen Energiequellen und seine schlussendlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden wahrscheinlich zu einer Vielzahl von unvorhersehbaren Folgen führen.“

Kurz nachdem dieser Bericht veröffentlicht wurde, traf ich mich mit einem hohen Beamten, der mit den Ergebnissen der Studie vertraut war und mit mir unter der Bedingung der Anonymität redete.

Ich fragte ihn, ob sich diese wichtige Forschung auf die tatsächliche Politik im Ministerium ausgewirkt hatte.

„Leider nein.“, sagte er achselzuckend. „Die meisten meiner Kollegen, ausgenommen vielleicht eine Handvoll, haben einfach keine Ahnung von diesen Themen. Und natürlich, trotzdem der Bericht innerhalb des Ministeriums weit verbreitet wurde und an andere zuständige Ministerien weitergeleitet wurde, ist da wenig Interesse bei den Ministern. Die scheinen ideologisch vorentschieden zu sein, für Fracking.“

Peak Oil

Die treibende Kraft hinter dem beschleunigten Rückgang der Ressourcenqualität, und scharf geleugnet von der Industrie, ist „Peak Oil“.

Eine umfangreiche wissenschaftliche Analyse [13] , veröffentlicht im Februar in Wiley Interdisciplinary Reviews: Energy and Environment, legt das Ausmaß der Leugnung selbst wissenschaftlicher Erkenntnisse von Seiten  der Industrie offen dar. Wiley Interdisciplinary Reviews (WIRES) ist eine Reihe von qualitativ hochwertigen Peer-Review-Publikationen, die maßgebliche Bewertungen von Veröffentlichungen aller relevanten akademischen Disziplinen vornehmen.

Das neue WIRES Papier ist von  Professor Michael Jefferson von der ESCP Europe Business School verfasst. Er ist ein ehemaliger Chefökonom  des Ölkonzerns Royal Dutch/Shell Group wo er fast 20 Jahre in verschiedenen leitenden Positionen tätig war, vom Head of Planning in Europe  bis zum Director of Oil Supply and Trading. Später wurde er stellvertretender Generalsekretär des World Energy Council und er ist Herausgeber der führenden Elsevier [bekanntester Fachverlag für Wissenschaft] wissenschaftlichen Zeitschrift Energy Policy.

In seiner neuen Studie untersucht Jefferson eine aktuelle 1865-seitige „Globale Energieeinschätzung“, Global Energy Assessment (GES), die vom International Institute of Applied Systems Analysis (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse)  herausgegeben wurde. Aber er kritisiert die GES dafür, in der Frage des „Peak Oil“ hauptsächlich abzutauchen.

„Das war ziemlich seltsam.“, schrieb er, „Erstens, weil die Hinweise darauf schließen lassen, dass die weltweite Produktion konventionellen Öls stagniert und ab 2005 zu sinken begonnen haben könnte.

Er fuhr fort und erklärte, dass die standardisierten Einschätzungen der Industrie über die Menge der globalen Vorräte an konventionellem Öl dramatisch aufgeblasen wurden, unter Hinweis darauf, wie „die fünf grössten Ölexporteure im Mittleren Osten die Grundlage der Definition von ‘gesicherten‘ Ölvorräten von einer 90-Prozent-Wahrscheinlichkeit ab 1984 zu einer 50-Prozent- Wahrscheinlichkeit geändert haben. Das Ergebnis war ein scheinbarer (jedoch nicht realer) Anstieg ihrer ‘gesicherten‘ Vorräte an konventionellem Öl von rund 435 Mrd. Barrel.“

Zu diesen Schätzungen hinzu kommen Reserveangaben von venezolanischen Schweröl und kanadischen Teersanden, die die Schätzungen der weltweiten Reserven um weitere 440 Mrd. Barrel steigen lassen, ungeachtet der Tatsache, dass sie „schwieriger und teurer zu fördern sind“ und generell von „schlechterer Qualität“ sind als konventionelles Öl.

„Grob gesagt, die Standardbehauptung, dass die weltweit gesicherte Vorräte an konventionellem Öl von fast 1,7 Bill. Barrel vorhanden sind, ist um etwa 875 Mrd. Barrel zu hoch angesetzt. Trotz des Rückgangs der Rohölpreise von ihrem letzten Höchststand im Juni 2014, nach dem im Juli 2008, bleibt uns das ‘Peak Oil‘ – Thema erhalten.

Jefferson glaubt, dass die nominale wirtschaftliche Erholung, die  mit Produktionsrückgängen verknüpft ist, da die die Industrie auf ihre interne Krise reagierte, die derzeitige Ölschwemme schließlich umkehren wird. Dies werde den Weg für „weitere größere Ölpreissteigerungen“ in den kommenden Jahren ebnen.

Es ist nicht abgemacht, ob das passieren wird. Wenn die Ölkrise die Wirtschaft hart trifft, dann könnte die anhaltende Rezession die steigende Nachfrage dämpfen, die jedermann erwartet. Wenn somit die Ölpreise länger als erwartet relativ niedrig bleiben, dann könnte dies die Industrie unwiederbringlich ausbluten.

Letztendlich kann der Produktionsrückgang ein Steigen der Ölpreise ermöglichen. Die OPEC schätzt, dass die Investitionen in die Ölexploration und – entwicklung auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren sind. Da die Zahle der Konkurse sprunghaft angestiegen ist, wird der damit einhergehende Rückgang der Investitionen schließlich zu einem Niedergang der Weltölproduktion führen, auch wenn die weltweite Nachfrage zu steigen beginnt.

Dies könnte die Ölpreise deutlich höher steigen lassen, wenn die explodierende Nachfrage –hochgerechnetes   Wachstum ca. 50 Prozent bis 2035 – auf die Produktionsverknappung trifft. Solch ein Preisanstieg  wäre paradoxerweise unglaublich schlecht für die Weltwirtschaft  und könnte, wie es während des 2007 – 8 Finanzcrashs geschehen ist, zu Inflation führen und eine erneute Lawine von Ausfällen der Verbraucherkredite auf den Wohnungsmärkten auslösen [14].

Selbst wenn dies eintritt, die Annahme – die Hoffnung – ist, dass die Großen der Ölindustrie irgendwie die vorhergehende  Kaskade der Schuldenausfälle überleben. Die zweite Annahme ist, dass die Nachfrage nach Öl steigt.

Aber so, wie die erneuerbaren Energiequellen immer schneller den Markt erobern, wie sich die Innovationen in den sauberen Technologien beschleunigen, so müssen die Prognosen über die zukünftigen, auf die alten Fossilen Brennstoffe zentrierten Nachfrage  über Bord geworfen werden.

Saubere Energie

Eine weitere neue Studie [15] vom März, veröffentlicht von zwei Wissenschaftlern der Texas A & M University und erschienen in der Zeitschrift  Energy Policy (Elsevier Verlag): „Nicht erneuerbare Energie“ – das sind „fossile Brennstoffe und Kernenergie“ – „erreichen ihren Höchststand voraussichtlich  Mitte des Jahrhunderts …  Der anschließende Produktionsrückgang der Nicht-Erneuerbaren wird eine rasche Expansion im Bereich der Erneuerbaren Energien (EE) erfordern, wenn sich das Bevölkerungswachstum und/oder das Wirtschaftswachstum fortsetzt.

Das Ende des Fossile-Brennstoff- Imperiums sei unausweichlich, so die Studie. Unabhängig davon, welches Modell die Wissenschaftler durchrechnen ließen, der Ausgang blieb gleich: Die fast vollständige Verdrängung fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien bis zum Ende des Jahrhunderts; und, als Folge, die Umwandlung und Regionalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten.

Doch im Papier wird hinzugefügt, dass zur Vermeidung eines Anstiegs der globalen Durchschnittstemperaturen um 2°C, der den Klimawandel in die Gefahrenzone kippen lassen würde, 50 Prozent oder mehr der vorhandenen Reserven an fossilen Brennstoffen ungenutzt bleiben muss.

Die Notwendigkeit für den Übergang weg von den fossilen Brennstoffen ergibt sich deshalb sowohl aus geophysischen wie aus umweltlichen  Aspekten. Einerseits, etwas Mitte des Jahrhunderts, werden fossile Brennstoffe und Kernenergie als tragfähige Energiequellen aufgrund ihrer hohen Produktionskosten und  geringer Qualität nicht mehr zu gebrauchen sein. Andererseits, noch bevor dies eintritt, um uns einen von den Wissenschaftlern als „safe operating space“ bezeichneten sicheren Gestaltungsraum zu erhalten,  können wir uns nicht erlauben, den Planeten auf mehr als 2°C zu erwärmen, ohne verheerende klimatische Auswirkungen zu riskieren.

Das Einhalten des 2°C-Ziels, so die Studie, mache es erforderlich, dass erneuerbare Energien bis 2028 mehr als 50 Prozent des weltweiten Energiebedarfs bereitstellen, „ein 37-facher Anstieg der Jahresrate der erneuerbaren Energien in nur 13 Jahren.“

Zwar stellt  dies nach allen Maßstäben eine Herkulesaufgabe dar, doch kommen die  Wissenschaftler der Texas A & M zu dem Schluss, dass das Aus der fossilen Brennstoffe zum Ende des Jahrhunderts ohnehin  besiegelt ist, mit oder ohne Berücksichtigung der Klimarisiken:

„…. das ‘ehrgeizige‘ Ziel  der G7-Führer , die Dekarbonisierung zum Ende des Jahrhunderts,  wird durch die wirtschaftlichen und geologischen Grenzen auch in einem unerzwungenen Szenario erreicht, in dem wenig bis kein aktives Engagement für Dekarbonisierung erforderlich ist  … Die Ergebnisse unserer  Modellrechnungen zeigen, dass mit oder ohne Klimaerwägungen die RES [erneuerbare Energien] bis zum Ende des Jahrhunderts 87-94 Prozent des gesamten Energiebedarfs umfassen werden.“

Aber da erneuerbare Energien einen weitaus geringeren EROI-Wert als fossile Brennstoffe haben, wird „sich der Anteil der Nettoenergie, der für die gesellschaftliche Nutzung bereitsteht, schnell reduzieren.“  Es wird gemutmaßt, dass bei weniger Energie, die den Gesellschaften zur Verfügung steht, „die Prioritäten für die energetischen Ansprüche in der Gesellschaft neu gesetzt werden.“ – mit anderen Worten, eine ganz andere Art von Wirtschaft, in der unbegrenztes Wachstum auf der Basis von endlosem Einsatz billiger Energie aus fossilen Brennstoffen ein Relikt aus dem frühen 21. Jahrhunderts ist.

Eine 37-fache Steigerung der jährlichen Rate im Bereich der erneuerbaren Energieversorgung scheint auf den ersten Blick unerreichbar, aber neue Zahlen aus der in Abu Dhabi ansässigen Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien zeigen, dass saubere Energie auf einem guten Wege ist, obwohl ihr die massiven Subventionen fehlen, die hinter den fossilen Brennstoffen stehen.

Die Daten zeigen, dass im vergangenen Jahr die Solarstromleistung um 37 Prozent angestiegen ist, Windkraft um 17 Prozent, Geothermie um 5 Prozent und Wasserkraft um 3 Prozent.

Bisher war die Wachstumsrate der Solarenergie exponentiell. Ein Bericht [16] des Deloitte Center for Energy Solutions vom September 2015 stellt fest, dass die Geschwindigkeit und die Verbreitung der Solarenergie konsequent herkömmliche lineare Vorhersagen übertroffen hat und dies auch weiterhin tun wird.

Während die Kosten von Solarstrom anhaltend rückläufig sind, hat sich die Solarstromerzeugung jedes Jahr während der letzten 20 Jahre verdoppelt. Mit jeder Verdopplung der Solarinfrastruktur sind die Produktionskosten der Solar-Photovoltaik (PV) um 22 Prozent gesunken.

Nach Meinung von Analysten wie Tony Seba – Dozentin für Unternehmensleitung, Disruption (vollständige Verdrängung) und saubere Energie an der Stanford University – ist das Wachstum der Solarenergie bereits auf dem Weg global zu werden. Mit acht weiteren Verdoppelungen, das wäre 2030, könnte die Solarenergie 100 Prozent des weltweiten Energiebedarfs liefern. Und das ganz ohne die Unterstützung der Regierungspolitik.

Während Sebas Vorhersage nur von einer Minderheit der Experten unterstützt wird, hält Deloitte dies Szenario für eine reale Möglichkeit, die ernst genommen werden sollte. Aber das Unternehmen führt aus, dass Hürden überwunden werden müssen:

„Es wäre für die Planer der Energieversorgungsunternehmen wirtschaftlich nicht sinnvoll, tausende von Megawatt an bestehender Erzeugungskapazität vor Ende der Abschreibung aufzugeben und sie durch die neue Solargeneration zu ersetzen.“

Doch die Deloitte Studie lässt die Ausweitung der Profitabilitätskrise unberücksichtigt, die die Fossile Energie-Industrie bereits in den Abgrund reißt, ebenso wie den sich abzeichnenden Druck auf die notleidenden Vermögenswerte aufgrund von Klimarisiken. Im selben Maß, wie die Unwirtschaftlichkeit der fossilen Brennstoffe immer offensichtlicher wird, in dem Maß steigt die wirtschaftliche Attraktivität sauberer Energie.

Das Rennen gegen die Zeit

Die Frage ist, ob der Übergang zu einem Post-Kohlenstoff-Energiesystem – die Akzeptanz des unausweichlichen Endes der Öl-Wirtschaft – schnell genug geschehen wird, um eine Klimakatastrophe zu verhindern.

Es ist gewiss, dass das 2°C-Ziel als für ein sicheres Klima weitgehend als unzureichend anerkannt ist – Wissenschaftler argumentieren zunehmend, dass auch ein 1°C Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen ausreichen würde, um gefährliche, irreversible Veränderungen im Klima der Erde auszulösen.

Laut einem Bericht der Nationalen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2011, zeigt [17] der wissenschaftliche Konsens bei konservativer Auslegung, dass wir für jedes Grad der Erwärmung mit folgenden Auswirkungen konfrontiert sind: 5-15 Prozent Verringerung der Ernteerträge; 3-10 Prozent Anstieg der Niederschläge, die in einigen Regionen zu Überschwemmungen beitragen werden; 5-10 Prozent verringerter Wasserfluss in einigen Flusseinzugsgebieten, eingeschlossen der Arkansas und der Rio Grande, was zur Knappheit von Trinkwasser beitragen wird; 200-400 Prozent Anstieg der Fläche in den USA, die von Wald- und Buschbränden verwüstet wird; 15 Prozent Rückgang der jährlichen arktische Eisfläche, mit einem 25 Prozent Rückgang jährlichen Eisflächenminimum im September.

Auch wenn alle CO2 Emissionen gestoppt würden, wird sich das Klima für mehrere Jahrhunderte weiter erwärmen. Über Tausende von Jahren, so warnt die Nationale Akademie, könnte dies  sich gegenseitig verstärkende Rückkopplungen auslösen, zum Verschwinden der polaren Eisschilde und anderen dramatischen Veränderungen führen. Bis dahin ist das Risiko von katastrophalen ‘Wildcards‘, „wie die Möglichkeit der Freisetzung von Methan aus Tiefseesedimenten in großem Maßstab“  oder aus dem Permafrost,  unmöglich zu quantifizieren. In diesem Zusammenhang,  selbst wenn die solargetriebene Revolution der sauberen Energie jeden Erfolg hat,  muss noch, um beim Klima auf der sicheren Seite zu sein,  , Kohlenstoff entfernt werden, der sich in der Atmosphäre angereichert hat.

Die Idee, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen, hört sich technologisch anspruchsvoll und wahnsinnig teuer an. Das ist es nicht. In Wirklichkeit ist es relativ einfach und billig.

Ein neu erschienenes Buch von Eric Tönsmeier, Dozent der  School of Forestry and Environmental Studies an der Yale University führt in verblüffend ansprechender Art und Weise aus, wie ‘regenerative Landwirtschaft‘ die ultimative Lösung für die Bindung von Kohlenstoff bereitstellt.

Regenerativer Landwirtschaft ist eine Form von kleiner, lokaler, community-zentrierter organischer Landwirtschaft, die bestimmte Techniken verwendet, um den Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entfernen und ihn in Pflanzenmaterial oder in den Boden abzusondern.

Mit einer ganzen Reihe von Landmanagement- und Konservierungsmaßnahmen, viele davon wurden von indigenen Gemeinschaften ausprobiert und getestet, ist es theoretisch möglich, regenerativen Anbau in dem Maßstab zu vergrößern, dass er die globalen Kohlenstoffemissionen grundlegend ausgleicht.

Tönsmeiers wertvolles und nützliche Buch beschreibt diese Techniken, und, anders als andere sich an Wissenschaftler richtende Wälzer, es bietet praktische Werkzeuge für Gemeinden, die anfangen können zu erforschen, wie sie regenerativen Anbau für sich übernehmen.

Nach dem Rodale Institute [18] könnte die Anwendung der regenerativen Landwirtschaft auf einer globalen Ebene umwälzende Ergebnisse zeitigen:
Einfach gesagt, die jüngsten Daten aus dem landwirtschaftlich Anbau und der Weidewirtschaft zeigen, dass wir mit einem Wechsel zu weitverbreiteten und günstigen organischen Managementmaßnahmen, die wir ‘regenerative organische Landwirtschaft‘  nennen,  mehr als 100 Prozent der aktuellen jährlichen CO2-Emissionen binden könnten.  Diese Verfahren maximieren die Bindung von Kohlenstoff und minimieren gleichzeitig  das Entweichen dieses Kohlenstoffs aus dem Boden, so dass der Treibhauseffekt umgekehrt wird.

Dies wurde umfassend bestätigt. Zum Beispiel stellt eine in Teilen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften finanzierte  Studie [19] aus dem Jahr 2015 fest, dass „der Ersatz von chemischen Dünger durch organischen Dünger die Emission von GHGs [Treibhausgase] deutlich verringert. Der Ertrag an Weizen und Mais verbesserte sich durch den Eintrag von Rinderdung ebenso wie die Fruchtbarkeit der Böden. Der vollständige Ersatz von chemischen durch organischen Dünger verringert die GHG-Emissionen, dadurch wird das landwirtschaftliche Ökosystem von einer Kohlenstoffquelle …. zu einer Kohlenstoffsenke.“

Die Regierungen fangen an, wenn auch langsam. Bei den Pariser Klimaverhandlungen unterzeichneten mehr als 25 Staaten und über 50 NGOs die „4 pro 1000“-Initiative der französischen Regierung. Bei „4 pro 1000“ handelt es sich um ein internationales Abkommen [20], das regenerative Landwirtschaft als Lösung für Ernährungssicherheit und Klimakatastrophe fördert.

Die Geburt des Postkapitalismus

Es kann also keinen Zweifel geben, dass gegen Ende dieses Jahrhunderts das Leben sehr verschieden von dem sein wird, wie wir es auf dem Planeten Erde kennen. Der fossil befeuerte räuberische Kapitalismus wird tot sein. Die menschliche Zivilisation wird kaum eine Wahl haben, als sich auf eine Vielfalt sauberer erneuerbarer Energiequellen zu verlassen.

Aber welche Entscheidungen wir auch immer treffen in diesem Jahrhundert, die kommenden Generationen der Post-Kohlenstoff-Zukunft werden sich mit den Realitäten eines insgesamt wärmeren und damit unberechenbareren Klimas auseinandersetzen müssen. Selbst wenn regenerative Prozesse am Start sind, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu ziehen, so braucht dies doch Zeit – und in diesem Prozess wird der Klimawandel  einige nicht wieder zu reparierende Schäden an unseren Ozeanen, unseren Wäldern, unseren Wasserwegen und unseren Böden anrichten.

Es kann Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende brauchen, bis der Planet ein neues, stabiles Gleichgewicht erreichen wird.

Aber so oder so, die Reparaturarbeit und die Minderung zumindest eines Teils des Schadens wird die Aufgabe der Kinder unserer Kinder sein und deren Kinder und so weiter.

Das Wirtschaften in dieser globalen Gesellschaft der Notwendigkeiten wird sehr verschieden sein von dem Wirtschaften in dem endlosen Wachstumsmoloch, das wir seit der Industrialisierung erlebt haben. In dieser Post-Kohlenstoff-Zukunft wird materielle Produktion und Konsum und auch technologische Innovation nur durch eine partizipatorische ‘Kreislaufwirtschaft‘  nachhaltig sein können, in der mit knappen Mineralien und Rohstoffen sorgfältig gehaushaltet wird.

Der schnelllebige Konsumismus, den wir heute für selbstverständlich halten, wird unter diesen Umständen ganz einfach nicht funktionieren.

Die  umfassenden nationalen und internationalen hierarchischen Strukturen werden nicht überdauern, aufgrund der hohen Unterhaltskosten, der Unhaltbarkeit des Energieaufwands, den sie für ihr Überleben benötigen und aufgrund des Wechsels der Macht zu den neuen, dezentralen Produzenten von Energie und Nahrung.

Am wahrscheinlichsten werden kleinformatige und vernetzte Formen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Organisation, die durch völlig neuartige Informationstechnologie miteinander verbunden sind, an die Stelle der hierarchischen Strukturen treten. Die Gemeinschaften, die nicht nur überleben,  sondern gedeihen wollen, müssen zusammenarbeiten,  ihre Technologie, ihre Expertise und ihr Wissen  teilen, auf der Basis einer neuen Kultur der menschlichen Gleichwertigkeit und Zusammenarbeit.

Ganz sicher werden wir  durch Zeiten des Umbruchs gehen, bevor wir diesen Punkt erreichen. Die heutige Fossile Brennstoffe-Industrie als Amtsinhaber bleibt dem Leugnen verhaftet und es ist unwahrscheinlich, dass sie die Realität ihres unvermeidlichen Untergangs  akzeptiert bevor sie tatsächlich tot umfällt.

Zu erwarten sind die Ausweitung  der Kriege um Ressourcen, innere Unruhen, Fremdenfeindlichkeit, staatlicher Militarismus und gesellschaftlicher Totalitarismus. Dies sind die letzten Zuckungen eines Systems, das am Ende seines Weges angekommen ist.

Der Ausgang dieser in den kommenden Jahrzehnten stattfindenden Kämpfe – Kämpfe zwischen den Menschen und der Macht, aber auch Kämpfe innerhalb der alten Zentren der Macht (begleitet von Kämpfen zwischen fehlgeleiteten Völkern) – der ist noch nicht aufgeschrieben.

Sich gierig an die letzten Überreste ihrer Existenz klammernd, werden die alten Zentren der Macht versuchen, sich innerhalb des Rahmens des alten Paradigmas als möglichst groß darzustellen, auf Kosten konkurrierender Machtzentren und auch auf Kosten der eigenen Bevölkerung.

Und sie werden, so weit es irgend geht, von den Ursachen des Problems ablenken. Sie werden ihre Beauftragten dazu animieren, anderen Machtzentren die Schuld zu geben, oder noch schlimmer, ihren Mitbürgern die Schuld zuschieben, entlang der Konstruktion aller Arten des „Anderen“ [„Othering“], der Ausgrenzung nach Rasse, Ethnik, Nationalität, Hautfarbe, Religion und auch Klassenzugehörigkeit.

Habt keinen Zweifel. In den kommenden Jahrzehnten werden wir auf unseren Fernsehbildschirmen, Tablets und Smart-Phones  dabei zusehen, wie sich das alte Paradigma, die alte Weltordnung,  selbst den Garaus bereitet. Viele von uns werden mehr tun als dabei zuzugucken. Wir werden teilnehmende Beobachter sein, Opfer oder Täter, oder beides gleichzeitig.

Die einzige Frage die zählt, lautet wie folgt: Werden wir uns inmitten dieses sich öffnenden Mahlstroms mit anderen zusammentun, um für die kommenden Generationen von Menschen die Saat für überlebensfähige Post-Kohlenstoff-Gesellschaften zu legen oder entscheiden wir uns,  dieser überlebensfähigen Zukunft im Wege zu stehen, indem wir uns ganz dafür hingeben unsere ‘Interessen‘ im Rahmen des alten Denkens zu verteidigen?

Was auch immer in den kommenden Jahrzehnten geschehen wird, es wird die Entscheidung jedes Einzelnen von uns sein, die die Natur dessen bestimmt, was am Ende dieses für den Übergang ausschlaggebenden Jahrhunderts überlebt.

Nafeez Ahmed [21] ist ein Investigativ- Journalist und internationaler  Sicherheitsexperte [international security scholar]. Er ist Autor der System Shift Kolumne bei Motherboard (VICE) und 2015 Preisträger des Censored Award for Outstanding Investigative Journalism für seine frühere Arbeit beim Guardian. Er ist Autor von A User’s Guide to the Crisis of Civilization: And how to safe it [22] sowie des SciFi Thrillers Zero Point (23) und anderen Büchern.

 

Source URL: http://www.alternet.org/environment/we-could-be-witnessing-death-fossil-fuel-industry-will-it-take-rest-economy-down-it

Links:
[1] http://www.alternet.org/authors/nafeez-ahmed-0
[2] http://alternet.org
[3] https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/us/Documents/energy-resources/us-er-crude-downturn.pdf
[4] https://espresso.economist.com/d57f6fdeba3bbec9c0f2527d55d5f2ee
[5] http://www.bloomberg.com/gadfly/columnists/ASe2HvynvWg/liam-denning/articles/2016-03-30/how-the-oil-market-is-like-the-housing-bubble
[6] http://www.cnbc.com/2016/01/14/oil-credit-crunch-could-be-worse-than-the-housing-crisis-commentary.html
[7] http://www.financialpost.com/m/wp/blog.html?b=business.financialpost.com/news/energy/nearly-us1-trillion-in-zombie-projects-stranded-in-oil-fields-around-the-globe-says-goldman-sachs
[8] http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306261916302495
[9] http://uk.businessinsider.com/oil-prices-could-still-cause-a-recession-2016-2?r=US&IR=T
[10] http://www.zerohedge.com/news/2016-01-16/exclusive-dallas-fed-quietly-suspends-energy-mark-market-tells-banks-not-force-shale
[11] http://booksandjournals.brillonline.com/content/journals/10.1163/15691497-12341389
[12] http://r4d.dfid.gov.uk/pdf/outputs/Energy/60999-EROI_of_Global_Energy_Resources.pdf
[13] http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wene.179/epdf
[14] http://www.theguardian.com/environment/earth-insight/2014/may/01/treasury-economy-recovery-hype-growth-osborne-crash-risk
[15] http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421516300830
[16] http://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/us/Documents/energy-resources/us-er-solar-innovation-growth.pdf
[17] http://dels.nas.edu/resources/static-assets/materials-based-on-reports/booklets/warming_world_final.pdf
[18] http://rodaleinstitute.org/assets/RegenOrgAgricultureAndClimateChange_20140418.pdf
[19] http://www.eurekalert.org/pub_releases/2015-04/scp-ofc042915.php
[20] http://www.alternet.org/food/how-world-leaders-can-solve-global-warming-regenerative-farming
[21] http://www.nafeezahmed.com
[22] http://www.crisisofcivilization.com
[23] http://zro.pt
[24] mailto:corrections@alternet.org?Subject=Typo on We Could Be Witnessing the Death of the Fossil Fuel Industry—Will It Take the Rest of the Economy Down With It?
[25] http://www.alternet.org/
[26] http://www.alternet.org/%2Bnew_src%2B

 

 

 

 

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One Response to Sind wir Zeuge vom Ende der Fossile Brennstoff-Industrie – und wird es die übrige Wirtschaft mit in den Abgrund reißen?

  1. Christine Stecker says:

    Weltweit steigen die Treibhausgasemissionen weiter an statt zu sinken. Laut Umweltbundesamt haben wir bereits heute einen weltweiten Temperaturanstieg von durchschnittlich 0,85 Grad Celsius zu verzeichnen. Und gleichzeitig sollen die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um 95% gesenkt werden, um das 2Grad-Ziel zu erreichen. Wir stecken also mittendrin in einem unglaublichen Umbruch, den viele noch immer nicht wahrhaben wollen. Auch wer den Klimawandel leugnet, wird einsehen müssen, dass die natürlichen Ressourcen, die z.T. über Jahrmillionen entstanden sind in den nächsten Generationen unwiederbringlich aufgebraucht sind. Meiner Ansicht nach wird das Umdenken so radikal verlaufen (müssen), dass schon in wenigen Jahrzehnten die Menschen unseren heutigen Lebenswandel in den Industrieländern genauso rückständig einstufen wie wir heute auf vorindustrielle Zeiten blicken. Nicht die Pferdekutsche hat sich dann überholt, sondern das mit fossilen Brennstoffen betriebene Auto.

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